Epigenetik – Die Gene sind nicht schuld!

#1 Es lohnt, sich Gedanken darüber zu machen, was man wirklich weiß und wie viele Informationen man als richtig anerkennt, ohne sich dessen bewusst zu sein und ohne sie hinterfragt zu haben.

Lange Zeit glaubte ich beispielsweise den Ärzten, die mir sagten, Neurodermitis sei nicht heilbar, ohne diese Information als für mich zutreffend überprüft zu haben.

Denn die Informationen meines Umfelds, insbesondere von Ärzten, in den Medien und anderer Betroffener waren eindeutig: Neurodermitis ist nicht heilbar, du hast die Veranlagung mit deinen Genen geerbt und musst nun das Beste daraus machen. So war ich in dieser Hinsicht konditioniert, ohne mir dessen bewusst zu sein. Dies geschieht in ziemlich allen Bereichen unseres Lebens und bei der Beschäftigung mit unserer Konditionierung stieß ich auf die Epigenetik.

Diese relativ neue Forschungsrichtung der Zellbiologie finde ich so spannend, weil sie uns einlädt, besser zu verstehen, welch grundlegenden Einfluss unsere Überzeugungen auf unsere Lebensqualität haben.

Ich freue mich, dass meine Wahrnehmung darüber, wie unser Leben funktioniert und was Krankheit und Heilung beeinflusst, nun auch durch fundierte Untersuchungen renommierter Forscher belegt wird. Leider ist dieses Wissen bislang großen Teilen der Bevölkerung nicht vermittelt worden.

Bedauerlicherweise sind auch unsere Ärzte nicht dafür ausgebildet worden, Menschen zur Übernahme von Eigenverantwortung für ihre Gesundheit zu animieren. Sie behandeln den menschlichen Körper meist wie eine Maschine, die man zerlegen und untersuchen kann und die, wenn sie nicht die gewünschten Resultate bringt, also eine Störung hat, mit chemischen Stoffen wieder zum Funktionieren gebracht werden soll. Die allgemeine Ausbildung der Ärzte lässt außer Acht, dass Menschen Gefühle, Geist und Seele haben, die alle auf den körperlichen Zustand einwirken.

Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass sich die neuen Erkenntnisse im Bereich der Biologie weiter verbreiten werden, da sie zu unserem Wohlergehen und unserer Freiheit beitragen. So werden sie unser Denken entscheidend beeinflussen und uns zu mehr Selbstverantwortung führen und uns letztlich ein gesünderes und hoffentlich auch glücklicheres Leben ermöglichen.

Immer mehr Menschen stoßen in der Schulmedizin an Grenzen – was dann beschönigend als „austherapiert“ bezeichnet wird und nichts anderes bedeutet, als dass die behandelnden Ärzte keine Ahnung haben, was dem Kranken Linderung verschaffen könnte- und suchen nach alternativen Formen der Heilung.

#2 Viele Menschen glauben noch immer, dass ihre Gene für fast alles verantwortlich sind, was ihnen in ihrem Leben widerfährt.

Deshalb werde ich in meinen Posts die Erkenntnisse der Genetik und Epigenetik erklären, die ich für hilfreich halte, um Krankheit und Wohlbefinden zu verstehen. Ich wünsche mir, dass dieses Wissen möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht wird, damit sie künftig selbst entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten wollen.

Wichtigste Erkenntnis der Epigenetik ist, dass der seit über 50 Jahren vorherrschende Glaube, unser Erbmaterial kontrolliere unsere Biologie, korrigiert werden muss. Die Überzeugung, unsere Gene bestimmten unser Schicksal, wir seien also Opfer unseres Erbguts, beruht auf den Erkenntnissen der Forscher James Watson und Francis Crick, die im Jahr 1953 erstmals den Aufbau der Desoxyribonukleinsäure (DNS) beschrieben und für ihre damals bahnbrechende Erkenntnis 1962 den Nobelpreis erhielten.

Seit dieser Zeit haben Biologen angenommen, dass die Gene das Leben kontrollieren und unser Verhalten steuern, ein Konzept, das genetischer Determinismus genannt wird.

Da in diesem Modell von der Norm abweichende Merkmale eines Individuums durch defekte Gene erklärt werden, begründete es die Vorstellung, dass wir bei der Entfaltung des eigenen Lebens nicht verantwortliche Opfer sind.

Um die genetische Steuerung unserer Biologie zu verstehen, wurde 1990 in den USA das Genomprojekt begonnen, mit dem Ziel, das gesamte menschliche Erbgut zu ergründen.

Man knüpfte große Erwartungen an die Entschlüsselung des Genoms, da man davon ausging, dieses Wissen nutzen zu können, um nahezu alle menschlichen Krankheiten verstehen und schließlich heilen zu können. Mithilfe dieser Informationen beabsichtigte man dann mittels Gentherapie beschädigte Gene zu reparieren oder zu ersetzen bzw. maßgeschneiderte Medikamente für fast jedes Leiden herstellen zu können.

Vor Beginn des Projekts hatten die Wissenschaftler geschätzt, dass das gesamte Erbgut aufgrund der menschlichen Komplexität mehr als 100.000 Gene erfordern würde. Das Ergebnis wurde nach 13 Jahren Arbeit veröffentlicht und war für die Forscher selbst überraschend, denn das gesamte Erbgut eines Menschen umfasst nur etwa 34.000 Gene. Diese Zahl reicht nicht aus, um die Komplexität des menschlichen Lebens zu verstehen.

Zwei Zellen können dieselbe genetische Information enthalten und trotzdem entwickelt sich eine zur Leberzelle und die andere zur Gehirnzelle, mit völlig unterschiedlichen Funktionen.

Es stellte sich also die Frage, welcher Vorgang für diese Spezialisierung verantwortlich ist oder sie begünstigt, da Anweisungen benötigt werden, welcher Schritt wann auszuführen ist.

#3 Der genetische Bauplan des Menschen konnte also die Erwartungen nicht erfüllen und die Wissenschaftler mussten anerkennen, dass zum Wunder des Lebens wohl doch mehr gehört als die Reihenfolge der Buchstaben in den Genen.

Mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms ist klar geworden, dass die Gene Phänomene wie Krankheiten nur zum Teil erklären können und unsere Vorstellung darüber, wie Biologie funktioniert auf unrichtigen Annahmen oder Informationen beruht.

Weniger als 5 % der Bevölkerung leidet an einem genetisch vererbten Geburtsdefekt, mehr als 95 % der Menschen haben demnach ein intaktes Genom und könnten ein gesundes Leben führen. Die Wissenschaft hat den Schwerpunkt ihrer Untersuchungen jedoch darauf gerichtet, herauszufinden, welche Rolle die Gene bei den Menschen mit defekten Genen spielen.

Auf die Frage, warum die große Mehrheit der Bevölkerung, die mit einem intakten Genom geboren wurde, trotzdem Fehlfunktionen und Krankheiten entwickelt, konnte sie bislang keine zufrieden stellenden Antworten liefern.

Hier könnte uns nun die Epigenetik weiterhelfen.

Zunächst müssen wir verstehen, dass unser Geist aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen besteht: Das Unterbewusstsein, in dem erlernte Gewohnheiten aufgezeichnet und gespeichert werden und das Bewusstsein, das unseren freien Willen ausdrückt.

Unser Unterbewusstsein ist gewohnheitsorientiert und extrem schnell, es kann 40 Millionen Bits pro Sekunde verarbeiten, es ist nicht kreativ, kann aber viele Dinge gleichzeitig tun, wie z.B. alle unsere Körperfunktionen zu kontrollieren. Das Unterbewusstsein funktioniert wie eine emotionslose Datenbank voller gespeicherter Programme, die sich darauf beschränkt, Umweltsignale abzulesen und die fest verknüpften Verhaltensprogramme aufzurufen, ohne zu fragen und ohne zu urteilen.

Das Bewusstsein funktioniert hingegen völlig anders, mit etwa 40 Bits pro Sekunde arbeitet es sehr langsam und ist der kreative Teil unseres Geistes. Es wird durch kreatives und schöpferisches Programmieren gebildet und im Gegensatz zum Unterbewusstsein können wir es bewusst verändern. Das Bewusstsein nimmt seine Funktion etwa im Alter von sechs Jahren auf, zu diesem Zeitpunkt sind die meisten das Leben betreffenden Wahrnehmungen schon auf der Festplatte des Unterbewusstseins gespeichert. Das Bewusstsein hat allerdings Zugang zu dieser Datenbank und kann eine früher angelernte Wahrnehmung, etwa ein Verhaltensskript überprüfen und verändern, es operiert unabhängig vom Unterbewusstsein.

Bewusstsein und Unterbewusstsein ergänzen sich, das Bewusstsein kontrolliert all das, worauf es sich konzentriert, den Rest übernimmt das Unterbewusstsein.

Etwa 95 % unseres Lebens wird vom Unterbewusstsein kontrolliert und gesteuert, das bedeutet, dass wir uns nur ca. fünf Prozent unserer kognitiven Aktivität bewusst sind. Der Rest unserer Wahrnehmungen stammt aus automatisch ablaufenden Programmen, die uns nicht bewusst sind. Aktive Veränderung unserer Wahrnehmung kann also nur im Bewusstsein stattfinden, indem wir diesen Anteil durch konsequente Aufmerksamkeit und bewusstes Hinterfragen schulen.

Schon lange vor der Geburt entstehen die ersten unbewusst angelernten Wahrnehmungen. Denn bereits während der Schwangerschaft formt die Umwelt der Mutter die Umwelt des Fötus. Etwa nach der Hälfte der Schwangerschaft beginnt das Gehirn des Babys emotionale Muster und Verhalten der Mutter zu lernen. Dabei hat der Fötus im Wesentlichen die gleichen Wahrnehmungen wie die Mutter. Durch diesen Prozess wird das Baby auf die Umwelt der Mutter vorbereitet, die es nach der Geburt vorfinden wird.

Die vom Fötus erfahrenen Wahrnehmungen können sich in tiefgreifender Weise auf seine Physiologie und Entwicklung auswirken. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Krankheiten ihre Wurzeln in der frühen Embryophase und den ersten Lebensjahren haben, hervorgerufen durch Umwelteinflüsse. Programme, die wir in jungen Jahren erworben haben, bestimmen auf unbewusster Ebene, wie wir den Rest unseres Lebens leben.

Die Anlagen für unsere Gesundheit werden also lange vor der Geburt gelegt, Einfluss haben dabei zum einen die Gene und das Umfeld, nach der Geburt kommen dann vor allem die Erziehung, gesellschaftliche Einflüsse und die Ernährung hinzu.

Ein gutes Beispiel ist das zunehmende Übergewicht gerade bei der jungen Bevölkerung, das gern mit ererbten Krankheiten begründet wird. Das würde bedeuten, dass immer mehr Kinder schlechte Gene von ihren Eltern und somit die Fettleibigkeit erben. Die Genforschung zeigt nun aber, dass dem nicht so ist, sondern dass Übergewicht zwar quasi in der Familie liegt, aber nicht aufgrund schlechter Gene sondern wegen falschen Verhaltens.

#4 Eine fundamentale Erkenntnis der Epigenetik ist, dass die Umwelt bzw. unsere Wahrnehmung der Umwelt unser Verhalten und unsere Genaktivität unmittelbar steuert.

Auch Stress ist eine wichtige Ursache für Krankheit. Eine werdende Mutter, die unter chronischem Stress steht, verändert dadurch auf einschneidende Weise die Entwicklung der physiologischen Systeme ihres Kindes, die für Wachstum und Schutz sorgen.

Auf der Zellebene sind Wachstum und Schutz sich gegenseitig ausschließende Verhalten.

Im Wachstumsmodus versorgt das Blut die Eingeweide und erhält sämtliche Körperfunktionen und damit unsere Gesundheit. Wachstum ist lebensnotwendig, da jeder menschliche Organismus täglich Zellen ersetzen muss, weil auch jeden Tag Zellen sterben. Die innere Schicht der Gedärme wird beispielsweise alle drei Tage erneuert.

Bei Stress sendet das Gehirn ein Signal an die Nebennieren, Stresshormone freizusetzen, die bewirken, dass das Blut durch Zusammenpressen der Organe vornehmlich in Arme und Beine fließt. Es handelt sich also um ein instinktives Verhalten nach dem Motto „kämpfen oder flüchten“.

Im Schutzmodus schalten Stresshormone das Wachstum und Immunsystem sowie alle Körperfunktionen ab, die für Kampf oder Flucht nicht gebraucht werden, das Sichern des Überlebens hat erste Priorität.

Wenn unsere Gewebe und Organe ein Bedürfnis nach Schutz wahrnehmen, beeinträchtigt dies also das Wachstumsverhalten. Chronisches Schutzbedürfnis führt zu einer Störung des Gewebes und seiner Funktion. Der Stress bewirkt dann, dass Zellen nicht in normalem Rhythmus ersetzt werden und schwächt so die Gesundheit.

Untersuchungen zeigen auch, dass Menschen unter Stress weniger intelligent und kreativ sind, da das Blut aus dem Teil des Gehirns, wo das Bewusstsein sitzt, in Teile gepresst wird, die das Reflexverhalten fördern.

Auch wenn ein Organismus einen Stress „wahrnimmt“, der eigentlich gar nicht vorhanden ist, wird er denselben automatischen Prozess ausüben, da dieser unbewusst ausgelöst wird. Die einzige Möglichkeit, diesen Prozess zu unterbinden ist also, die Wahrnehmung zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern.

Schlussfolgerungen aus den Erkenntnissen der Epigenetik

Die gute Nachricht der Epigenetik ist, dass außer unserer Augen- und Haarfarbe nur sehr wenig in unseren Genen festgeschrieben ist. Der überwiegende Teil der Ausprägungen unseres Seins ist nicht im Erbgut angelegt, sondern aufgrund von Umwelteinflüssen entstanden und somit veränderlich.

Wenn wir dieses Wissen verinnerlichen und anerkennen, dass nicht die Gene, sondern unsere Wahrnehmung und Interpretation der Umwelt Krankheit und Wohlbefinden steuern, erlangen wir einen großen Handlungsspielraum, können die „Macher unseres Lebens“ werden.

Wir müssen uns lediglich bewusst machen, dass epigenetische Merkmale im Gegensatz zum Erbgut zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens von uns selbst verändert werden können.




2019-08-07T11:19:24+02:00 August 3rd, 2019|Allgemein|