Was ist Neurodermitis?

Da ich immer wieder falsche Informationen lese und häufig Fragen danach erhalte, was Neurodermitis ist, werde ich in diesem Beitrag die Krankheit erläutern und meine Sicht als Betroffene vermitteln.

Zunächst muss ich die Bezeichnung klären, die Erkrankung trägt nämlich verschiedene Namen, was die Verwirrung nicht kleiner macht: Neurodermitis, atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, endogenes Ekzem sind alles Begriffe für ein und dasselbe Gesundheitsproblem. In diesem Beitrag verwende ich die Namen abwechselnd, damit wir uns daran gewöhnen, dass ich immer von derselben Symptomatik spreche.

Ich werde mich bemühen, so verständlich und alltagstauglich zu schreiben, dass es jeder Interessierte verstehen kann. Wer medizinische Details oder einen Fachbeitrag sucht, ist hier falsch, findet davon aber mehr als genug im Internet und in unzähligen Büchern. Ich beschreibe das Leiden als Betroffene also aus 1. Hand und aus der Praxis des Lebens.

Wie wird atopische Dermatitis diagnostiziert?

Es gibt kein Verfahren, um eine eindeutige Diagnose zu stellen, jedoch existieren einige Indikatoren, die auf ein atopisches Ekzem hindeuten.

Das prägnanteste Symptom ist der stark ausgeprägte Juckreiz. Bei Kindern sind meist Arme und Beine sowie das Gesicht betroffen, im Krankheitsverlauf kann sich das allerdings auch ändern.

Die Neurodermitikerhaut ist extrem trocken und empfindlich und reagiert allergisch auf bestimmte Stoffe wie Nahrungsmittel, Tierhaare u.a.

Aufgrund der extremen Trockenheit ist die Haut oft stark gerötet und schuppt sich. Es fühlt sich an, als wäre sie zu eng, jede Bewegung ist unangenehm und in solchen Phasen möchte man sich eigentlich den ganzen Tag lang nur eincremen, um diese Spannung ein wenig zu lösen.

Ein weiteres Merkmal des endogenen Ekzems ist der sogenannte weiße Dermographismus, den ich ganz witzig finde. Während normalerweise rote Streifen entstehen, wenn man mit etwas Druck, beispielsweise mit einem Holzspatel, über die Haut fährt, werden hier die Streifen weiß und sind einige Zeit später noch deutlich sichtbar. Das sieht recht skurril aus, wenn man es erstmals sieht. Grund für das Phänomen ist eine vermehrte Histaminausschüttung ansonsten hat es allerdings keine Bewandtnis.

Es gibt einige weitere typische Zeichen wie eine doppelte Lidfalte unter den Augen, zu den Seiten hin dünner auslaufende Augenbrauen und dunkle Haut um die Augen herum.

Das sind alles nur mögliche Hinweise, die natürlich nicht bei jedem Betroffenen auftreten.

Bei Hautproblemen, egal welcher Art, sollte deshalb in jedem Fall ein Hautarzt aufgesucht werden, um die Ursache zu klären und eine mögliche Behandlung einzuleiten. Auch wenn ich keine Verfechterin der Schulmedizin bin, empfehle ich, das Problem zunächst von einem Facharzt beurteilen zu lassen.

Auch ein Allergietest kann hilfreich sein, um bestimmte Faktoren zu meiden, die die Haut verschlimmern. Ich habe jahrelang auf einer Rosshaarmatratze geschlafen bis klar war, dass ich eine Pferdehaarallergie habe. So etwas kann man von vornherein vermeiden wenn man die Allergieauslöser kennt.

Es gibt unterschiedliche Allergietests, einige werden auf der Haut durch geführt, andere mit Blutproben. Ein Test auf der sehr empfindlichen und gereizten Haut ist verständlicherweise nicht optimal, trotzdem habe ich dieses Prozedere mehrfach über mich ergehen lassen.

Am spannendsten fand ich jedoch einen Allergietest, der mittels Blutanalyse durch geführt wird, um den IgE zu ermitteln. Der Wert des Immunglobulins E ist ein Indikator, ob jemand Allergien aufweist, da es an 90% der allergischen Reaktionen beteiligt ist. Der Wert schwankt im Lauf des Lebens, als Richtwert kann man sich merken, dass er bei gesunden Erwachsenen bei etwa 100 IU/ml und bei Kindern während der Entwicklung phasenweise auf 200 steigen kann. Bei Allergikern ist ein IgE über 1.000 nicht ungewöhnlich, aber auch Werte über 10.000 sind möglich, meiner wurde vor vielen Jahren mit über 17.000 gemessen.

Allergien sind bei den meisten Neurodermitikern ein wichtiger Faktor, deshalb werde ich das Thema in einem anderen Post genauer betrachten.

Neurodermitis ist nicht ansteckend!

Wie alle chronischen Hautprobleme ist auch das endogene Ekzem nicht durch Kontakt übertragbar. Man muss also keine Angst haben, sich anzustecken wenn man einem Betroffenen die Hand gibt oder gemeinsam in einem Schwimmbad schwimmt. Ich kenne Menschen, die beispielsweise wegen ihrer Schuppenflechte des öffentlichen Bades verwiesen wurden, hoffe aber, dass das lange vorbei ist.

Ich persönlich habe meine zerkratzte und offene Haut nicht gern Menschen gezeigt und wäre deshalb so nie in ein Schwimmbad gegangen, zumal das chlorhaltige Wasser die Haut zusätzlich reizt und austrocknet.

Wer bekommt atopische Dermatitis?

Die Krankheit kann also nicht übertragen werden, sondern man bringt die Veranlagung dazu quasi im Erbgut mit, das heißt, die Möglichkeit, eine atopische Erkrankung zu entwickeln. Es ist aber gut möglich, dass beide Eltern gesund sind, wie in meinem Fall, und eins der Kinder die Erkrankung dann tatsächlich bekommt, während das andere Geschwisterkind eine vollkommen gesunde Haut hat und auch an keiner anderen allergischen Erkrankung wie Asthma oder Heuschnupfen leidet.

Welche Faktoren begünstigen das Entstehen eines endogenen Ekzems?

Darüber, wer und warum sich eine atopische Gesundheisstörung entwickelt, gibt es keine wirklich belastbaren Erkenntnisse. Sicher muss die Veranlagung vorhanden sein, doch ob diese sich ausprägt kann niemand vorhersagen. Wissenschaftler arbeiten daran, Gene zu identifizieren, die für das Entstehen der Neurodermitis verantwortlich sind. Ob und wann das den Betroffenen helfen wird, ist fraglich.

Wie wird das atopische Ekzem behandelt?

Natürlich ist die Hautpflege ein wichtiges Thema. Die extrem trockenen Hautstellen schreien meist nach Creme, somit muss man nicht besonders darauf hinweisen, wie wichtig regelmäßiges Eincremen ist. Welche Salben, Cremes oder Öle man verträgt und mag, muss jeder selbst herausfinden.

Außerdem sollte man darauf achten, dem Körper ausreichend Flüssigkeit zuzuführen, also genug zu trinken. In schlechten Hautphasen habe ich immer besonders viel Durst gehabt und musste immer eine Wasserflasche bei mir haben, da ich sonst fast Panik bekam, zu verdursten.

Einen Ratschlag, den man sicher allen Eltern geben kann, ist, das Immunsystem des Kindes so weit wie möglich zu stärken bzw. nicht vorsätzlich bspw. durch Rauchen zu schwächen. Wenn man weiß, dass in der Familie eine Neigung zu Allergien besteht, würde ich auf Haustiere verzichten und dem Kind keine Kleidung etc. aus Wolle kaufen, die von Tieren stammt. Außerdem empfehle ich, der Weisheit des Kindes zu vertrauen, wenn es Kuhmilch oder andere Lebensmittel ablehnt.

Meine Intuition hat mich in dieser Hinsicht nie verlassen, was später durch Allergietests nachgewiesen wurde hatte ich meist ohnehin abgelehnt, wie zum Beispiel Linsen.

Mein Appell ist also, der eigenen Wahrnehmung mehr zu vertrauen und die Weisheit unseres Körpers wieder zu entdecken.

Gerade Eltern rate ich zu etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit ihren Kindern und insbesondere mit der atopischen Dermatitis. Die Ängste und Sorgen über das Leiden ihres Kindes sind zwar verständlich, helfen aber niemandem. Stattdessen sollten sie sich erst einmal beruhigen und versuchen, einen etwas entspannteren Umgang mit der Krankheit zu finden und ihre Kinder nicht mit ihrer Sorge zusätzlich zu belasten.

Ich empfehle jedem, egal ob Betroffene oder Umfeld, Techniken zu erlernen, um sich selbst in einen ausgeglichenen und entspannten Zustand zu versetzen. Die meisten Krankenkasse geben inzwischen Zuschüsse zu Yoga­, Tai­Chi und anderen Kursen, es gibt unzählige Entspannungstechniken, jeder kann die für ihn passende finden. Das Wichtigste ist, es regelmäßig zu praktizieren, damit man das Gelernte dann in stressigen Situationen fast automatisch abrufen kann.

Da Entspannung ein zentraler Faktor meines eigenen Heilungswegs war und ist, widme ich mich diesem Thema ausführlich in einem neuen Post.

Psyche und Körper

Neurodermitis zählt zu den psychosomatischen Krankheiten und was man sicher über diese und fast jedes Gesundheitsproblem sagen kann, ist, dass psychische Einflüsse eine große Rolle spielen.

Auch die Schulmedizin hat inzwischen erkannt, dass unser Körper nicht losgelöst von unserer Psyche betrachtet und behandelt werden kann. Die Zusammenhänge sind jedoch leider nicht so einfach zu erkennen und die Wechselwirkungen auch nicht immer logisch zu erklären. Ich habe Zeiten erlebt, in denen ich im Außen großen Stress hatte, beispielsweise meine Diplomprüfungen, meine Haut allerdings phantastisch war. Bei einem Studienkollegen war es genau anders herum, er entwickelte in der Prüfungszeit eine Schuppenflechte.

Deshalb sind Aussagen wie „du musst nur an deiner Psyche arbeiten, dann wird auch die Haut besser“ kein bisschen hilfreich. Im Gegenteil. Sie verursachen zusätzlichen Stress und dann auch noch das Gefühl, es sei doch ein eher eingebildetes Problem und mit ein wenig Arbeit an sich selbst leicht zu beheben.

Mein Beispiel aus der Prüfungssituation zeigt, dass wir alle Unikate sind und auf dieselbe Situation unterschiedlich reagieren. Deshalb meine Aufforderung, sich besser kennen zu lernen, mit sich selbst in Kontakt zu bleiben und zu spüren, was gut und was schlecht für mich ist.

Es braucht Zeit und Übung, aber es lohnt sich und das Wohlbefinden wird stetig wachsen. Versprochen!

2017-07-26T12:16:38+00:00 Juli 1st, 2017|Allgemein|