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Die Ursachen der Neurodermitis 2017-05-04T16:26:35+00:00

Veranlagung oder eigene Verantwortung? Ausgeliefert oder Chance?

Ärzte geben auf die Frage nach der Ursache der Krankheit gern die Veranlagung dazu an.

Meine Vermutung ist allerdings, dass sie in Wahrheit auch keine Ahnung haben, aber eine Antwort geben wollen, die nicht zu widerlegen ist. Leider hilft sie den Betroffenen aber nicht wirklich. Deshalb hat mich die Frage der Ärzte immer gestört, wer in meiner Familie noch an Hautproblemen oder anderen psychosomatischen Krankheiten wie Asthma leide. Ich habe darauf gern geantwortet, jemand müsse ja der erste sein.

Neurodermitis ist eine sehr vielschichtige Krankheit und es gibt möglicherweise ebenso viele Auslöser wie Erkrankte.

Wichtig ist mir, zu vermitteln, dass es immer eine Lösung gibt, die möglicherweise so individuell ist wie jeder betroffene Mensch auch. Selbst wenn es sich um eine geerbte Veranlagung handelt, muss nicht jeder in der Familie daran erkranken und nicht jeder Neurodermitiker sein Leben lang mit dieser Diagnose ohne Hoffnung auf Besserung leben.

Im Verlauf der Recherchen zu meinem Buch bin ich auf eine relativ neue Forschungsrichtung der Genetik gestoßen, die Epigenetik. Bei der Frage nach der Vererbung kann sie uns überraschende Einsichten bringen.

Epigenetik

In meinem Buch widme ich diesem spannenden Thema ein ausführliches Kapitel und möchte hier nur kurz auf einige Erkenntnisse dieser Forschungsrichtung hinweisen, die in der Schulmedizin leider noch wenig berücksichtigt werden.

Weniger als fünf Prozent der Bevölkerung leidet an einem genetisch vererbten Geburtsdefekt, mehr als 95 Prozent der Menschen haben also ein intaktes Erbgut und könnten ein gesundes Leben führen. Auf die Frage, warum die große Mehrheit der Bevölkerung, die mit einem intakten Genom geboren wurde, trotzdem Fehlfunktionen und Krankheiten entwickelt, liefern die Forscher bislang keine zufrieden stellenden Antworten.

Hier bietet die Epigenetik wertvolle Hinweise, um zu erkennen, dass die Umwelt bzw. unsere Wahrnehmung der Umwelt unser Verhalten und unsere Genaktivität unmittelbar steuert. Das Verhalten unserer Zellen entscheidet damit u.a. über Gesundheit und Krankheit.

Wichtigste Erkenntnis der Epigenetik ist, dass der seit über 50 Jahren vorherrschende Glaube, unser Erbmaterial kontrolliere unsere Biologie, korrigiert werden muss. Die Überzeugung, unsere Gene bestimmten unser Schicksal, wir seien also Opfer unseres Erbguts, beruht auf den Erkenntnissen der Forscher James Watson und Francis Crick, die im Jahr 1953 erstmals den Aufbau der Desoxyribonukleinsäure (DNS) beschrieben und für ihre damals bahnbrechende Erkenntnis 1962 den Nobelpreis erhielten. Seit dieser Zeit haben Biologen angenommen, dass die Gene das Leben kontrollieren und unser Verhalten steuern, ein Konzept, das genetischer Determinismus genannt wird.

Zwei Zellen können jedoch dieselbe genetische Information enthalten und trotzdem entwickelt sich eine zur Leberzelle und die andere zur Gehirnzelle, mit völlig unterschiedlichen Funktionen. Es stellte sich also die Frage, welcher Vorgang für diese Spezialisierung verantwortlich ist oder sie begünstigt, da Anweisungen benötigt werden, welcher Schritt wann auszuführen ist.

Schlussfolgerungen aus den Erkenntnissen der Epigenetik

Gute Nachrichten für Neurodermitiker

Die gute Nachricht der Epigenetik ist, dass abgesehen von unserer Augen- und Haarfarbe nur sehr wenig in unseren Genen festgeschrieben ist. Der überwiegende Teil der Ausprägungen unseres Seins ist nicht im Erbgut angelegt, sondern aufgrund von Umwelteinflüssen entstanden und somit veränderlich.
Wenn wir dieses Wissen verinnerlichen und anerkennen, dass nicht die Gene, sondern unsere Wahrnehmung und Interpretation der Umwelt Krankheit und Wohlbefinden steuern, erlangen wir einen großen Handlungsspielraum, können die „Macher unseres Lebens“ werden. Wir müssen uns lediglich bewusst machen, dass epigenetische Merkmale im Gegensatz zum Erbgut zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens von uns selbst verändert werden können.

Ergänzung vom 27.04.2017: Im WDR ist gerade ein sehenswerter Beitrag zur Epigenetik gezeigt worden.